Zitat Zitat von Kuragari Beitrag anzeigen
Gerade Vermittlungstiere, finde ich!, sollten wir kastrieren lassen, denn man kann in KEINEN Menschen reinschauen. Tolles Gehege, super Futter, tolle Gruppe und irgendwo auf dem Grundstück stehen dann doch Boxen mit Zuchtgruppen. Das könnte ich niemals verantworten. Selbst wenn ich Telenummer+Adresse+Vorkontrolle habe. Man kann es letztendlich doch nie wissen...was hinter dieser Fassade ist. Außerdem könnte ein Kaninchen auch gestohlen werden, zum Züchten. Dann ist es gut, wenn man an dieser Stelle eine illegale Zucht verhindern kann.
Ehrlich gesagt, finde ich das doch ein bisschen weit hergeholt. Warum sollte jemand, der Kaninchen vermehren will, sich für teuer Geld Kaninchen aus dem Tierschutz holen, wenn er diese doch für wenige Euro gleich dutzendweise über Ebay bekommt? Oder gar ein Kaninchen stehlen, um damit zu vermehren? Und warum dieses Misstrauen gegen alle und jeden?

Zudem gibt es keine "illegale Zucht" - jeder kann nach unserer Gesetzeslage Kaninchen vermehren wie er lustig ist. Außerdem besteht immer noch ein Unterschied zwischen "Zucht" und "Vermehrung". Die in Vereinen organisierten Züchter halten zumindest Mindeststandards ein, was die Haltung der Kaninchen betrifft, sorgen für vernünftigen Impfschutz und lassen kranke Tiere nicht unnötig leiden, was man von den Hinterhof-Vermehrern wahrlich nicht immer sagen kann.

Meiner Meinung nach würde man für die Kaninchen auch viel mehr erreichen, wenn man nicht jeden per se verteufeln würde, nur weil er Kaninchen züchtet, sondern auch mit diesen Menschen reden und sie peu a peu von artgerechter Kaninchenhaltung überzeugen würde, um dann ggfs. gemeinsam gegen Hinterhof-Vermehrer Front zu machen oder auch eine verbesserte Forschung, was Kaninchenkrankheiten, Impfschutz etc betrifft, durchzusetzen. Ein Blick in die Vergangenheit reicht da schon, oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Möglichkeit, mit Ausnahmegenehmigungen ausländische Impfstoffe zu importieren, wegen ein paar Tierschützern oder uns Liebhaberhaltern geschaffen worden wäre, oder dass Filavac und Eravac eine deutsche Zulassung bekommen hätten, wenn nicht die großen Zuchtverbände ihren Einfluss geltend gemacht hätten?

Was die Weibchenkastra betrifft, so gibt es auch hier keine vernünftigen Studien, sondern jeder kann nur anhand seiner persönlichen Erfahrungen urteilen und das tun, was er für das beste für seine Tiere hält, wohl wissend, dass er sich hierbei auch irren und im Einzelfall vielleicht die falsche Entscheidung treffen kann.

Tierärztliche Empfehlungen helfen da auch nicht weiter, weil ein Tierarzt naturgemäß viel häufiger die Weibchen sieht, bei denen es zu Komplikationen an der Gebärmutter gekommen ist, als diejenigen, die mit 12 Jahren und älter ganz friedlich und ohne jede Gebärmutterveränderung an Altersschwäche versterben. Umgekehrt kann auch niemand Aussagen darüber treffen, ob und in welchem Umfang durch eine Kastration dann andere gesundheitliche Probleme auftreten können, von Verwachsungen im Bauchraum angefangen über Übergewicht und den damit verbundenen Folgeerkrankungen bis zu anderen Krankheiten, die evtl. durch den veränderten Hormonspiegel erst hervor gerufen werden.

Ich persönlich hatte in fast 40 Jahren Kaninchenhaltung noch kein einziges Weibchen an Gebärmutterkrebs verloren, obgleich keines kastriert wurde. Dafür hatten wir schon zweimal Komplikationen im Rahmen einer Narkose, einmal mit tödlichem Ausgang, so dass ich bei meinen Mädels eine solch´umfangreiche Operation nur bei entsprechender Indikation machen lassen würde. Wären meine Erfahrungen anders, würde ich womöglich anders handeln.

Abgesehen davon kann und will ich nicht einsehen, warum man es für so schlimm erachtet, wenn die Weibchen ihrem natürlichen Trieb folgen. Meine drei Mädels sind momentan auch hauptsächlich damit beschäftigt, die Jungs - meist vergeblich, fehlende Hormone machen halt auch faul - zu becircen, sich gegenseitig anzuknurren oder zu bespritzen, Höhlensysteme anzulegen, usw. usf. Na und? Es ist Frühling, also ein völlig natürliches Verhalten, und wer auch immer von den Nins davon genervt ist, hat auf knapp 25 qm Gehege und von morgens 5:00 bis abends 20:00 Uhr im 300 qm Gartenauslauf mehr als genug Möglichkeiten, den anderen aus dem Weg zu gehen. Spätestens, wenn die Temperaturen steigen, werden auch die Mädels wieder ruhiger, und wenn ich immer nur einen miteinander kuschelnden Kaninchenhaufen haben wollte, was nun mal nicht der doch etwas robusteren Art und Weise entspricht, wie Kaninchen von Natur aus miteinander umgehen, sollte ich mir besser einen Berg Stofftiere kaufen.

Wir kämen doch auch nicht auf die Idee, uns Menschen unter´s Messer zu schicken, nur weil der eine oder andere gerade hormongesteuert ist und seiner Umwelt damit auf die Nerven fällt? Dabei wäre für uns alle das Leben deutlich leichter, wenn man das so täte: von drängelnden und rasenden Autofahrern angefangen bis zu den Kriegen der Welt ließe sich wohl vieles vermeiden, wenn man den leisesten Anflug von Aggression mit Kastrationen sanktionieren würde...