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Thema: Partnersuche bei Handicapkaninchen

  1. #1
    Neuer Benutzer
    Registriert seit: 07.03.2026
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    Beiträge: 4

    Standard Partnersuche bei Handicapkaninchen

    Liebes Forum,

    auf der Suche nach einem (Leih?-)Kaninchen für meinen frisch verwitweten Widder habe ich heute mit jemandem vom Kaninchenschutz telefoniert: Unser Kaninchen hat Zahnprobleme und rezidivierende Abszesse und frisst selbständig leider fast nur noch geraspeltes Wurzelgemüse und ein paar Sonnenblumenkerne und wird ansonsten von uns gefüttert (die Blätter und Kräuter kann er nicht mehr gut fassen mit den verbleibenden Zähnen).

    Die Dame vom Kaninchenschutz meinte nun, wir bräuchten unbedingt ein Tier, das auch ein Handicap hat und idealerweise auch ein Zahnkaninchen ist, da ein gesundes Kaninchen ihn nur mobben und jagen würde. Einerseits kann ich das irgendwie nachvollziehen; andererseits bin ich nicht sicher, ob das wirklich absolut so gesagt werden kann, dass gesunde Kaninchen kranke Kaninchen immer mobben und jagen. Die Frau sagte, das käme nicht vor, dass ein gesundes Tier ein krankes akzeptiert.

    Tatsächlich hätte ich aber schon gerne ein einigermaßen gesundes Tier, weil ich die letzten Jahre immer mindestens 1x pro Woche (selten alle 2 Wochen) beim Tierarzt war und ich das nervlich und auch finanziell nicht mehr so gut stemmen kann: Tierarztbesuche sind an sich kein Problem, auch OPs und Nachsorgen nicht, aber wenn ich bei der Neuaufnahme eines Tieres schon weiß, dass es so weitergeht und ich mir noch mehr Baustellen ins Haus hole, dann ist das irgendwie schwierig (vorsichtig formuliert).

    Habt ihr zufällig Erfahrungswerte? Kann das auch gelingen, dass ein gesundes (ruhiges) und ein gehandicaptes Kaninchen neu zusammenfinden?

    Ich hätte kein Problem mit behinderten Tieren (blind usw.), aber wenn ich ein Zahnkaninchen neu hole, hab ich Angst, dass sich alles wiederholt: Meine beiden Kaninchen wurden im letzten Jahr im Grunde ständig operiert und gespült; es wurde ein CT angefertigt und das Jochbein aufgesägt usw., und ich möchte das nicht alles noch einmal durchmachen (es sei denn, natürlich, es ergibt sich im Laufe des Lebens).

    Gibt es auch Zahnkaninchen, die langfristig stabil sind und nicht ständig Abszesse bekommen und neue Zahnbildungen usw.?

    Die andere Frage betrifft die Ernährung: Natürlich weiß ich, dass Knollen kein gutes Futter für die Tiere sind, und bisher, als seine Freundin noch lebte, lagen hier auch immer massenhaft Löwenzahn, Kräuter und Blätter und Möhrenkraut; seine Freundin hat beides gegessen: mit ihm ein bisschen Pastinake und zusätzlich das Grünzeug. Die Frau vom Kaninchenschutz meinte nun, es sei das "Todesurteil" für jedes gesunde Kaninchen, wenn ich es teilhaben ließe an 2x täglich Pastinake, die das Männchen derzeit bekommt (jeweils ein ca. daumengroßes Stück).

    Ich freue mich über eure Gedanken und / oder Erfahrungen.

  2. #2
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit: 09.09.2018
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    Beiträge: 894

    Standard

    Zitat Zitat von YvonneD Beitrag anzeigen
    Liebes Forum,

    ....Unser Kaninchen hat Zahnprobleme und rezidivierende Abszesse und frisst selbständig leider fast nur noch geraspeltes Wurzelgemüse und ein paar Sonnenblumenkerne und wird ansonsten von uns gefüttert (die Blätter und Kräuter kann er nicht mehr gut fassen mit den verbleibenden Zähnen).

    ... da ein gesundes Kaninchen ihn nur mobben und jagen würde. ...

    Habt ihr zufällig Erfahrungswerte? Kann das auch gelingen, dass ein gesundes (ruhiges) und ein gehandicaptes Kaninchen neu zusammenfinden?

    Ich hätte kein Problem mit behinderten Tieren (blind usw.), aber wenn ich ein Zahnkaninchen neu hole, hab ich Angst, dass sich alles wiederholt....Gibt es auch Zahnkaninchen, die langfristig stabil sind und nicht ständig Abszesse bekommen und neue Zahnbildungen usw.?

    ...Natürlich weiß ich, dass Knollen kein gutes Futter für die Tiere sind...

    Ich freue mich über eure Gedanken und / oder Erfahrungen.
    Hallo Yvonne, der Verlust Deines Hoppelmädels tut mir sehr leid! Schön, dass Du für den armen Witwer eine neue Partnerin suchst und Dir so viele Gedanken darum machst

    Wenn ich es recht verstehe und nichts überlesen habe, ist er kein Handicap, sondern ein Zahni mit gelegentlicher Abszessneigung. Aber nicht immobil, geschwächt oder permanent krank im engeren Sinne? Gerade bei Vergesellschaftungen könnte es sonst schon zu (verstärkten) Reibereien kommen, wenn ein temperamentvoll-agiles oder gar dominantes Kaninchen auf ein angeschlagenes und deswegen deutlich unterlegenes trifft.

    Grundsätzlich würde ich keine VG machen, wenn der Bub akut krank ist und/oder unter einem Abszess leidet, diesen erst behandeln und ausheilen lassen. Dass er ein Zahni ist und nur schlecht kauen kann, sollte nach meiner Beobachtung andere Hoppel nicht stören oder zu Mobbing veranlassen. Ansonsten ist es m.M.n. ohnehin überwiegend eine Frage der Charaktere.

    Im späteren Miteinander (Paar- und Gruppenhaltung) habe ich hier vieles gesehen: Kaninchen, die ihre kranken Partner hingebungsvoll geputzt haben, welche, die auf Abstand gegangen sind oder anfangs Angst bspw. vor den neurologischen Ausfällen des Partners hatten und welche, die den Schwächeren kurzzeitig vertrieben/gemobbt haben. Bisher habe ich nie erleben müssen, dass eins meiner Zahnis von den Partnertieren angegangen wurde (auch nicht nach OPs oder Abszessbehandlung mit Medikamentengeruch). Aber natürlich sind Tiere unterschiedlich, eine Sicherheit gibt es da leider nicht...

    Ich hatte/habe mehrere Kaninchen mit unterschiedlichen Zahnproblemen, die alle regelmäßig behandelt/eingeschliffen werden mussten/müssen. Zwei davon hatten daraus resultierende Abszesse: mein Seelentier leider immer wieder und lebenslang, beim anderen Hoppel bildeten sich nach zweimaligem Spalten und Ausräumen keine neuen Abszesse mehr. Zahnprobleme wie Spitzen, Stufengebiss o.ä. bleiben i.d.R. dauerhaft behandlungsbedürftig - zumindest, wenn sie nicht (mehr) durch geeignete Frischfütterung korrigiert werden können. Oder das Ziehen (einzelner) Zähne ist eine Lösung.

    Warum kann Dein Bub keine kleingeschnittenen Kräuter oder Salatschnipsel futtern? Wenn geraspeltes Wurzelgemüse geht? Das klappt bestimmt, er sucht sich nur das Leckerste raus... päppelst Du ihn ansonsten zu? Und klar: Wurzelgemüse sollte die Ausnahme sein, ein "Todesurteil" für gesunde Kaninchen ist es m.M.n. nicht - aber eben wirklich nicht gut für Zähne, Bauch und ein Dickmacher. Vllt könntest Du im Homeoffice darauf achten, dass nur er Zugang dazu hat (falls er sich nicht doch zur Kräuterfütterung überreden lässt)?

    Vllt findest Du ja ein liebes Kaninchenmädel, dem schon Zähne gezogen wurde und das nun "zahnstabil" ist. Kleinschnippeln musst Du ja ohnehin

    Ich wünsche Dir und dem kleinen Witwer alles Gute!

  3. #3
    Neuer Benutzer
    Registriert seit: 07.03.2026
    Ort: Berlin
    Beiträge: 4

    Standard

    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

    Ich versuche mal, deine Fragen zu beantworten:

    1.) Er ist körperlich grundsätzlich eher agil; seit ein paar Monaten bewegt er sich weniger, und er hatte schon immer ruhige Phasen, aber vom Erscheinungsbild her ist er sportlich. Dass er sich in letzter Zeit weniger bewegt, haben die Ärzte auf das Alter zurückgeführt. Jedenfalls ist er im engeren Sinne dann nicht gehandicapt, sondern durchaus in der Lage, sportlich zu sein, sozusagen. Er ist auch nicht übergewichtig (2,4 kg bei einem langen Körper).

    2.) Ich weiß gar nicht genau, wie viele Zähne er noch hat: Es sind noch einige Backenzähne auf einer Seite (oben und unten) und die beiden oberen Schneidezähne (der eine untere wird in der nächsten Woche gezogen). Die Zähne wurden regelmäßig geröntgt; im Grunde ist sein Kiefer stabil. Die Abszesse hat er seit Frühling 2023, und seit ca. einem Jahr nimmt er kein Antibiotikum mehr, sondern "nur noch" Metacam (weil entzündungshemmend). Die Abszesse, die er jetzt noch hat, sind nicht mit dem Knochen verbunden und werden gelegentlich geöffnet und gespült. Ansonsten werden die Schneidezähne seit kurzem alle 2 Wochen geschliffen (ohne Narkose) und die Backenzähne ca. alle 2 - 4 Monate unter Narkose geschliffen.

    3.) Das mit dem Essen verstehe ich selbst nicht. In seiner Anfangszeit hat er begeistert stundenlang Kräuter und Blätter gegessen, und das wurde dann immer weniger; salopp gesagt hatte er keine "Lust" mehr, und wir haben dann jahrelang ihm die Stengel immer vor die Nase gehalten; dann hat er okay gegessen, aber immer noch zu wenig (die Zähne haben wir schon immer (seit 2019 haben wir ihn) kontrollieren und behandeln lassen). Er hatte anfangs häufig Magenüberladungen, und wir haben dann angefangen, ihn zunächst 1x am Tag zuzufüttern (mit CC; nimmt er sehr gerne; von Cunis hat er früher auch Blähungen bekommen).

    Seitdem er die Abszesse hat und weniger Zähne, füttern wir immer mehr: anfangs dann 3x am Tag, und seitdem er kaum noch Zähne hat und er fast gar kein Grünzeug mehr isst, füttern wir ihn 6x am Tag (das letzte Mal nachts um 0:30; das erste Mal morgens um 05:30, dazwischen dann alle 3-4 Stunden)
    Parallel liegt das Grünzeug immer da, und seine Freundin (auch Zahnkaninchen mit offiziell mehr Problemen) hat bis zum letzten Moment und bis fünf Minuten vor der Euthanasie noch Grünzeug gefuttert (sie konnte sich aber wegen des Tumors nicht mehr bewegen; die Beinknochen haben sich fast "aufgelöst", und das Sprunggelenk war "nicht mehr vorhanden"); er selbst hat nur gelegentlich an einem Blatt geknabbert. Aber seitdem wir ihn füttern, stressen wir uns nicht mehr gegenseitig mit "Stengel-vor-die-Nase-Halten" und Betteln, dass er noch ein bisschen isst - es geht im damit grundsätzlich besser, weil er entspannter ist.

    Ich weiß nicht, wieso er jetzt gerade nichts isst (abgesehen von Pastinake); die geraspelte Pastinake legen wir auf den Teller, und dann legt er ganz normal los. Wenn ich ihm Petersilie oder Basilikum vor die Nase halte, möchte er gerne essen, aber er bekommt es nicht hin, den Stengel zu "packen" - was komisch ist, denn zwischendurch kann er es eben doch. Die Ärztin meinte, es sei normal, dass er nicht essen kann; ich weiß aber vom Lesen, dass auch fast zahnlose Kaninchen (Schneide- und Backenzähne) noch Grünzeug essen können. Wir würden es ihm so gerne wieder angewöhnen, aber es tut mir auch so leid, dass er dann "stundenlang" mit dem Basilikum kämpft, ohne dass es in sein Mäulchen gelangt.

    Ich denke, klein geschnittene Blätter sind zu "flach", während die geraspelte Pastinake durch ihre "Erhabenheit" mehr Volumen hat und er es deshalb eher greifen kann? Mir wäre schon geholfen, wenn er so isst wie noch vor ein paar Monaten; ich glaube, das war, als er noch alle Schneidezähne hatte.

    Tatsächlich mache ich mir jetzt wegen der VG Sorgen, weil er ja von uns durch das Füttern eine "Sonderbehandlung" hat und Fressen ja einen Großteil des Zusammenlebens bei Kaninchen ausmacht.

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