naja, also ich hatte vorher einen Ghanaer in D kennengelernt, der einen Bruder oder sowas in dem Ort hatte, wo ich hinwollte, und ausserdem einen Cousin oder sowas in der Nähe vom Flughafen, der mich abholen sollte, oder war es eine Schwester, ich weiss nicht mehr genau. Jedenfalls komme ich da an, viel Gewusel aber niemand mit Schild oder irgendwas, also warte ich herum, irgendwann bin ich so richtig auffällig die einzige weisse Person, und jemand kommt auf mich zu und spricht mich mit meinem Namen an und sagt er sei Flughafen-Officer und beauftragt mich irgendwo hin zu bringen. Man wird zu einem Auto gebracht, da sind dann insgesamt drei Männer drin, also Fahrer und Officer und noch jemand, und ich als einzige damals noch junge Frau, die die lokale Sprache nicht versteht und sich sowieso nischte in irgendwas auskennt. Dann sollte ich ihnen Geld geben, erst fürs "Taxi", dann für den Fahrer, dann für die Bettler, dann weil sie das für mich tauschen würden, weil das die nächsten Tage wegen Feiertagen nicht ginge, und dann noch mal Geld für den Transport und noch mal Geld und die Traveller-Checks dann auch noch und derweil fuhr man durchs Dunkle, irgendwann waren es schon keine Strassen mehr sondern nur noch Dreckpisten, und bei den Traveller-Checks habe ich dann doch mal halt gemacht und gesagt, dass ich sonstnichts habe und gekommen bin um unentgeltlich in einem Krankenhuas zu arbeiten (ich war da für drei oder vier Monate), also ich habe versucht, das Bild der weissen Melkkuh etwas zu relativieren. Dann haben sie zumindest kein Geld mehr genommen. Problem war, dass sie gleichzeitig immer betonten, wie nett sie sind, und dass sie mir ja helfen, und dass ja alle Ghanaer so nett sind und man Gästen hilft, und ich gerade anfangs nicht ganz sicher war, ob das nicht auch so war...und in Übermüdung und Hitze auch Schwierigkeiten hatte, auf die Schnelle über Mark und Dollar in Cedi umzurechnen irgendwann sollte ich dann was essen mit ihnen, aber ich habe gelogen dass ich schon gegessen hätte und dass sie mich bitten dann mal zu einem Hotel bringen. Ich kam dann also in diese kleine Pension, habe mich eingeschlossen und den besagten Ventilator und die Geckos beobachtet - und dann ganz gut geschlafen. MOrgens gabs von einer netten Frau leckere afrikanische Omelettes, und dann kamen wieder Leute, um mich wo hin zu bringen, Geld tauschen und pipapo, aber ich habe dann darafu bestanden, dass ich ganz dringend zum Busbahnhof muss, und da haben sie mich dann oh Wunder auch hingebracht.
Dort habe ich dann Stunden auf den Bus nach Kumasi gewartet. Aber da war dann ein Typ, der wissen wollte wo ich hinmusste und mir sagte in welchen Bus ich muss und wo ich aussteigen soll und so ich jo, schon gut, ich helf mir lieber alleine... Ich war dann aber falsch ausgestiegen (nämlich auf dem Campus, da war aber Feiertag), dann ist der Typ an der nächsten Haltestelle ausgestiegen, mit Taxi zurück, mich gesucht, und mich dann dahin gebracht, wo ich hinmusste (zum WOhnheim). ich erstmal Panik: Ich habe kein Geld mehr für Taxi flüssig, und ich werde schon wieder verarscht, aber es war lächerlich wenig, 50 Pfennig oder so, nach den ungefähr 200 Mark die ich vorher schon los geworden war... Dieser Typ erwies sich als Boakye, ein Student, der sich auch die nächsten Tage und Wochen immer noch nett um mein Wohlergehen besorgte (ein anderer Deutsche, der dort auch ein Praktikum machte (war ich froh, plötzlich einen Europäer zu entdecken, muss ich gestehen) hatte auch so jemand, der ihn adoptiert hatte, damit er zurecht kommt...).
Den bekannten aus D habe ich aber später mal gefragt: ne, der mich abholen sollte, ist nie gekommen. Solche Flug Officers gibt es nicht. Der angebliche Officer hatte vermutlich meinen Namen auf dem Koffer gelesen. ich konnte ja anfangs die vielen Menschen auch nicht wirklcih gut auseinanderhalten.
Das war das Ende der Geschichte. Ich habe dann meine Monate Praktikum gemacht. Seither haben sie den Flughafen für Nicht-Reisende abgesperrt und Info Stellen für Touristen eingerichtet. Er hatte sich zu einem RipOff Ort entwickelt, mein Fall war sicher nichts ungewöhnliches. Ich habe davon gelernt, dass man immer weiss, wo man die ersten Schritte hintut und sich nicht von irgendwelchen "Bekannten" abhängig macht, und dass man weiss, was die wichtigsten Dinge ungefähr in der Landeswährung kosten. Ein Hotel für die erste Nacht vorab buchen oder zumindest eines nennen können, möglichst zentral, und sich da ohne Umwege hinbringen lassen. Nirgendswo hin von wo man nicht mit eigener Kraft wieder selbst zurück kommt.
Aber auch: Zuversicht behalten und auch die Absurditäten des Lebens geniessen - wobei, diese Kunst sollte ich mal wieder üben. Ist gerade mal wieder etwas gefordert...


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