Hi Du,
das tut mir sehr leid
Ganz bewußt erinnere ich mich da noch an Teddy.
Ich sah es 14 Tage vorher an seinen Augen. Wenn man es öfter erlebt hat, vergißt man diesen Ausdruck nicht mehr. Seine Augen wirkten plötzlich, als ob er nach innen sieht. Wenn er irgendwo saß und man sprach ihn an, kam er von "weit" her. Aber er schlief nicht wirklich. Das vertiefte sich immer mehr, sodaß er immer öfter eigentlich schon weit weg war. Lotte wich die letzten 3 Tage kaum von seiner Seite. Es war ohnehin die ganz große Liebe und er war ihr Adoptivvater und Ehemann und bester Freund der ganzen Welt.
Sie bedrängte ihn am letzten Tag geradezu, versuchte aber auch, ihn zum Bewegen zu bringen, sodaß ich ihn dann zu mir nahm und bei einem Päppelversuch, er fraß die letzten Tage kaum noch etwas, kletterte er auf die Fensterbank und saß stundenlang am offenen Fensterspalt und lauschte mit nach innen blickenden Augen nach draußen. Meine Freundin sagte damals, er sieht bereits die, die schon über die Regenbogenbrücke gegangen sind. Und genauso sah aus. Da er dann seine Ruhe wollte, habe ich ihn morgens um 5 Uhr in seinen Krankenkäfig gesetzt, wo auch Lotte nebenan Zugang zu hatte. Er ging morgen um genau 7 Uhr, 1 Minute, bevor mein Wecker wieder klingeln sollte.
Ich habe ihn dann Lotte zum Abschied nehmen hingelegt. Aber sie ging nicht in seine Nähe, sondern hockte sich auf ihren Schlafplatz. Fraß schlecht. Sie reagierte auf mein Trösten nicht, wirkte irgendwie erstarrt, wir waren damals noch keine Freunde. Sie sah in mir die Konkurrentin um Teddys Freundschaft. Sie spürte, daß Teddy und mich viel mehr verband, als normale Freundschaft.
Ich habe aber die Erfahrung gemacht, daß sie alle unterschiedlich reagieren. Manche schnuppern ein paar Mal an ihrem toten Freund und gehen ihrem normalen Leben nach. Andere trauerten so heftig, daß ich Urlaub nehmen mußte, weil ich Angst hatte, sie sterben mir sonst weg.
Harveys Verhalten ist wie das von Teddy, als er seine Adoptivmutter und Beschützerin Molly verlor. Sie kam von einer Zahnkorrektur nicht zurück und er versteckte sich, war sehr ängstlich und fraß kaum. Molly hatte ihn großgezogen und ihm Sicherheit gegeben. Teddy kam aus schlechten Verhältnissen und hatte eigentlich kein großes Vertrauen zu Menschen. Ohne Molly fehlte ihm seine Sicherheit und die Mama, zu der er gehen konnte und seinen Kopf zwischen ihre Vorderbeine stecken, wenn er unsicher war oder sich fürchtete. Als er Lotte bekam, war er erst nur sauer. Aber er kam aus seinem Schneckenhaus und das war genau richtig. Er zog Lotte groß und sein Selbstvertrauen wuchs daran selber.
Ich denke, Harvey ist traurig und muß das ausleben und erstmal verdauen. Und ganz sicher hat er das gewußt. Tiere spüren so etwas. Da gibt es viele Anzeichen, die wir nicht bemerken.
Als mein Eddi eingeschläfert wurde, habe ich seinen Bruder Tommi, der der ängstlichere von den beiden ist, 14 Tage lang nicht gesehen. Er ging auch nur kurz zu dem toten Eddie und sah etwas geschockt aus. Ich habe ihn gelassen, da ich wußte, er ist gesund, seine wenigen Kötteln sahen normal aus. Ich habe in seine Höhle geguckt, er sah nicht krank aus. Dann kam er langsam wieder mal hervor und suchte vorsichtig Kontakt. Er brauchte sehr, sehr lange. Nach bestimmt einem halben Jahr sah ich die ersten Bocksprünge bei ihm.



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