Seit ca. 5 Wochen haben wir für unseren frisch verwitweten Opi (8,5 Jahre) mit Arthrose und rezidivierenden Kieferabszessen eine Partnerin (4,5 Jahre, gesund, kasttriert).

Die Vergesellschaftung lief relativ problemlos, und nach drei Wochen hat das Weibchen den Opi ausgiebig geputzt und sich auch zum Kuscheln an ihn gelegt. Seit einer Woche jedoch lässt sie ihn nicht mehr auf Klo. Wir hatten zuerst 2 Klos (haben jetzt ein 3. gekauft, das aber niemanden interessiert). Das Männchen, das mit seiner Arthrose ohnehin nicht mehr allzu sportlich unterwegs ist, traut sich mittlerweile kaum noch aufs Klo, was dazu führt, dass ich ihn gelegentlich "begleite", damit er in Ruhe kötteln und pullern kann. Das ist vor allem am späten Abend ein Problem. Tagsüber schläft das Weibchen ja und ist nicht so wild. Wenn er sich vorsichtig Richtung Klo bewegt und sie ihn jagt, rennt er sofort wieder zurück in seine "Lieblingsecke". Das kann ich vielleicht 1x am Tag so aushalten, aber nicht 3x oder öfter.

Hier weitere Details:

- Vor dem "Vom-Klo-Jagen" hat sie ihn in eine Ecke des Wohnzimmers nicht gelassen. Wir haben dann umgeräumt, und dann ging das besser. Eine Woche war es wirklich perfekt, auch wenn das Männchen nie von sich aus kuschelt, sondern immer nur gekuschelt werden möchte.

- Wir haben das Weibchen über die Tierärztin (kaninchenkundig) vermittelt bekommen, die beide Tiere seit langem kennt und die meint, es könnte gut passen, weil das Weibchen es gewohnt sei, mit einem kranken Partner zu leben (der inzwischen verstorben ist). Es sei gerade für dieses Weibchen gut, mit unserem Opi zusammen zu sein, damit sie sich kümmern kann, weil sie selbst früher wohl von einem Partnertier gemobbt wurde.

- Wir halten beide in freier Wohnzimmerhaltung. Wenn ich zu Hause bin, lasse ich die Tür oft auf, damit sie in die Küche kommen (1-Zimmer-Wohnung). Das Männchen isst dort 1x am Tag in Ruhe seine Sonnenblumenkerne, seine geriebene Pastinake und seine zerkleinerten Kräuter. Dieses Essen ist für ihn sehr wichtig, weil er die Kalorien braucht und das für ihn ein Highlight des Tages ist und er es so gewohnt ist. Normale Kräuter kann er wegen fehlender Zähne nicht essen. Für das Männchen ist die Küche ein normaler Teil der Wohnung; das neue Weibchen findet die Küche auch sehr spannend, abe sie spürt wohl, dass es nicht ihr Revier ist - auch wenn wir ihr den Zutritt nicht verweigern und ganz lieb zu ihr reden, wenn sie sich hier vorsichtig in die Küche tastet.

- Das Weibchen soll weder Sonnenblumenkerne noch Pastinake bekommen, weil wir ihr kein Übergewicht verschaffen möchten und weil sie in den 5 Wochen, in denen sie bei uns ist, gelegentlich Verdauungsbeschwerden (Hefen) hat, die wohl aufgrund der Umstellung auf Kräuter und Blätter entstanden sind.

- Der Opi wird von uns regelmäßig gefüttert und bekommt Schmerzmittel und inhaliert.

- Das neue Weibchen wurde inzwischen 3x untersucht wg der Verdauungsbeschwerden, aber seitdem es ihr seit einer Woche wieder gut geht, jagt sie den Opi vom Klo.

- In den Tagen vor dem Jagen hat der Opi leider häufig genau auf den Heuhaufen im Klo geköttelt, den das Weibchen so gerne durchwühlt und an dem sie so gerne das Heu knabbert.

- Leider ist das Weibchen überhaupt nicht menschenbezogen; sie kommt mehrmals am Tag neugierig zu mir und nachts auch in mein Bett, aber mehr als Blickkontakt, den sie sucht, und einmal kurz über den Rücken streicheln mag sie nicht.

- Das Weibchen ist extrem lebhaft. Sie kennt nur zwei Zustände: "Action total: Ich klettere auf jeden Tisch und überwinde jedes Hindernis und esse jede Fleecedecke auf, die ihr für den Opi gekauft habt, damit er es schön weich hat" oder: "Ich liege dösig rum und rühre mich nicht".

Mir tut das Männchen total leid: In der einen guten Woche zwischen den beiden hat er wieder an Gewicht zugelegt, nachdem er in den Wochen nach dem Tod der alten Partnerin abgenommen hatte. Seine chronische Augenentzündung war verschwunden (eben habe ich durch den Stress wieder ein Gerstenkorn entdeckt). Er ist viel mehr aus sich rausgegangen, während er nach dem Tod der Partnerin immer nur in einer Ecke gehockt hatte.

Mir tut aber auch das Weibchen leid: Vielleicht ist ihr langweilig bei uns? Sie hat hier verschiedene Weidentunnel, eine Buddelkiste, Unmengen an Heu, Möbel zum Klettern und Verstecken usw., aber vom Opi kommt seinerseits kein positives Signal für sie (außer: "Du darfst mich gerne kuscheln", aber auch das ist im Moment schwierig, denn er vertraut ihr gerade nicht).

Da sie sich ja eine Woche super verstanden hatten und viel nebeneinander gelegen hatten und sogar beide zusammen gefuttert haben (dass das Männchen von selbst Kräuter frisst, macht er nur, wenn es ihm super gut geht), nehme ich an, dass man das Problem lösen kann. Oder kann es sein, dass man nach einem Monat plötzlich merkt, dass man nicht zusammenpasst? Jetzt gerade hat sie sich ganz eng an ihn gekuschelt. Ich würde sagen, jagen und kuscheln halten sich in etwa die Waage; ansonsten ignorieren sie sich weitgehend.

An der Behinderung / Krankheit des Opis wird sich nichts ändern und somit auch nicht an seiner Sonderbehandlung (Medizin und Fressen / Füttern), und da wir merken, wie anfällig er für Stress ist, liegt unser Hauptaugenmerk auch darauf, seinen Lebensabend so angenehm wie möglich zu machen. Das Weibchen war von Anfang an als Leihkaninchen gedacht, das die Tierärztin nach dem Tod des Opis wieder zu sich nimmt. Trotzdem haben wir das Weibchen schon jetzt lieb und zeigen ihr das auch. Wir versuchen ständig, ihr eine Freude zu machen und ihr Lieblingsfutter zu kaufen und nur das beste Heu usw.

Was kann ich tun, um das extreme Revierverhalten des Weibchens abzuschwächen?
Gibt es abgesehen vom 3. Klo noch weitere Möglichkeiten, die Klosituation zu entschärfen?
Handelt es sich um "Mobbing", wenn sich das Verhalten nur aufs Klo bezieht und sie ansonsten eigentlich ganz normal zu ihm ist?

Ich freue mich über jede Anregung und jede Idee.