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Thema: Schlechtes Gewissen- Habe ich unser Herzenstier umbringen lassen?

Hybrid-Darstellung

  1. #1
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben. Avatar von Teddy
    Registriert seit: 06.05.2012
    Ort: Wolfsburg
    Beiträge: 3.148

    Standard

    Ich kann dich gut verstehen

    Als ich letztes Jahr mein Pferd einschläfern lassen musste, konnte ich mich auch ganz schwer entscheiden. Letztlich hat der Ta entschieden. Und im nachhinein war es richtig. Nachdem was ich bisher gelesen habe über deine Geschichte, sehe ich keine gute Prognose, aber Schmerzen, langen Stress und Sorgen für alle, bis dein Tier evtl. vielleicht doch noch gesund geworden wäre. Denn Schmerzen an den Zähnen können unglaublich quälend sein. Auch das habe ich schon miterleben müssen.

    Du hast doch schon alles versucht. Ich denke nicht, dass du unüberlegt entschieden hast. Ich denke, du hast auf dein Bauchgefühl gehört und dass es richtig so war. Tiere überleben uns nun mal nicht und manchmal wollen sie auch nicht gehen. Aber das geht Menschen genauso und auch sie kann keiner zurück halten, wenn es soweit ist.

    Dein Hasi hatte bestimmt ein schönes Leben bei dir und du hast ihm zuletzt noch viele Möglichkeiten gegeben, gesund zu werden. Aber manchmal soll es einfach nicht sein
    Es ist nicht die Frage, ob Tiere intelligent sind, sondern was sie anstellen müssen,
    damit wir es ihnen glauben

  2. #2
    kaninchenmamas
    Gast

    Standard

    Dankeschön für die lieben Worte, Teddy.
    Wenn jemand von euch brutal direkt sein will und schreibt: Vielleicht wäre es doch noch was geworden und ich habe zu früh aufgegeben, kann ich damit auch umgehen. (Ich meine dich jetzt nicht Teddy, war nur allgemein gesagt).
    Ich weiß, ich werde hier keine Antwort finden. Es kann ja keiner in die Zukunft schauen, was wie geworden wäre.
    Letztendlich hat der Tierarzt irgendwie auch für mich entschieden.
    Sicher, hätte ich ihn angefleht, hätte ich den Kleinen nochmal nach Hause nehmen können, aber andererseits dachte ich mir dann: Dann geht die Verabschiedung zu Hause wieder los und ich sage ehrlich: Ich konnte echt nicht mehr.
    Das ging ja jetzt über 9 Wochen. Hoffen und Bangen, teilweise 3 Mal die Woche in der Tierklinik.
    Versaut hat es sicher die O.P. Ansonsten hätten wir zum spülen einmal wöchentlich hin gemusst, aber auch dort hat die Tierärztin gesagt, dass es so tief war, dass es ohne die O.P nicht gegangen wäre und danach kam ja der Abzess.

    Ich sehe ihn immer noch vor mir, wie er davor in der Tierklinik an mir und meiner Tasche hochgeklettert ist. Das ist ein Bild, das ich nicht aus dem Kopf kriege.
    Aber er war so dünn, so furchtbar abgemagert.

  3. #3
    jazzpaula
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von kaninchenmamas
    Entschuldigt, dass ich das alles nochmal aufgeschrieben habe, aber ich denke, ich brauche das jetzt.
    Du hast alles versucht und in solchen Dingen muss man meiner Meinung nach auch nach dem eigenen Gefühl handeln, denn man kennt sein Tier selbst am besten und weiß doch meist ganz gut wann es aufgegeben hat oder ob es noch kämpfen kann und will.

    Wenn Dir das "Niederschreiben" der Geschichte hilft, vielleicht solltest Du Dir mal daheim ein Tagebuch anlegen und dort deine Gefühle niederschreiben.

  4. #4
    kaninchenmamas
    Gast

    Standard

    Mir hilft es schon, dass hier aufschreiben zu können, denn hier sind ja doch Menschen, die einen mehr verstehen, als normal im Alltag.

    Ob er noch kämpfen wollte, weiß ich nicht, aber als ich ihn dann so abgemagert sah und mit dieser riesen Backe hatte ich definitiv nicht das Gefühl, dass es für ein Kaninchen ein toller Dauerzustand ist. Man muss hier bedenken, dass sich in den 12 Tagen, in denen er geeitert hat ja nichts verbessert hat. Es hat sich eher immer mehr verschlechtert.
    Obwohl das AB eigentlich anschlagen sollte (laut Antibiogramm) und der Eiter schon im Maul war.
    Er sah irgendwie nicht mehr aus wie das Kaninchen, das ich kannte. Eher wie ein abgemagertes verhungertes Babykaninchen.

    Wenn sie jetzt gesagt hätten: Das wird wieder. Wir kriegen das hin. Aber das hat niemand gesagt.
    Im Gegenteil, die Rede war davon die halbe Backe wegzunehmen und nachdem dem Tier jeden Tag unter Schmerzen der Abzess gespült wurde und unter leichter Narkose hat mein Bauch gesagt, dass ich das dem Tier nicht mehr antue.
    Das hatte dann alles sowas von einem Laborkaninchen.
    Irgendwie erinnerte das schon eher an Tierexperimente.
    Und da habe ich mir die Frage gestellt: Bringt es etwas, diesem Tier solchen Strapazen auszusetzen? Wenn es jetzt schon so stark abgenommen hat und dann immer und immer wieder einzugreifen?
    Ja, ich bestreite nicht, dass er vielleicht noch eine Weile gelebt hätte. Aber zu welchem Preis? Und nur unter Schmerzmitteln und ohne Garantie, dass es wieder wird? Mit Eiter im Maul?

    Und ich denke, vielleicht muss man auch das Alter sehen. Bei einem 1 Jährigen, der sonst topfit ist, hätte ich gesagt, wir probieren es und tun alles. Aber bei einem 6 Jährigen, mit Herzproblemen und e.cuniculi?
    (Ihr müsst die Fragen nicht beantworten, ist nur so ein innerer Monolog, den ich hier aufgeschrieben habe)

    Die Baustellen waren auch Spondolyose, e.c (aber ohne Ausbruch) und Herzfehler und eben regelmäßiges Zähneschleifen und dann die Abzesssache.
    Geändert von kaninchenmamas (06.03.2020 um 20:21 Uhr)

  5. #5
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben. Avatar von Teddy
    Registriert seit: 06.05.2012
    Ort: Wolfsburg
    Beiträge: 3.148

    Standard

    Damit beantwortest du doch schon deine Fragen und zeichnest klar ein Bild. Letztlich geht es ja darum, für das Tier zu entscheiden. Und nicht dafür, dass du ihn unbedingt behalten willst, egal wie schlecht es ihm geht. Du hast ihm damit geholfen, dass du ihm das Leiden verkürzt und beeendet hast. Und das wissen sie. So schlecht wie es ihm ging, war es wahrscheinlich eh nur noch eine Frage der Zeit. Und das muss man ihnen nicht antun.
    Ich denke eher nicht, dass das Geschehen bei dem Ausmaß noch in den Griff zu bekommen war. Eiter ist schwer zu beherrschen. Ich habe auch ein Tier (dass ansonsten jung und gesund war. Und es hat mir in der Seele weh getan, aber er konnte und wollte nicht mehr) an den Eiter verloren, obwohl ich auch alles dafür gegeben habe. Aber man muss sehen, wann es genug ist.
    Es ist nicht die Frage, ob Tiere intelligent sind, sondern was sie anstellen müssen,
    damit wir es ihnen glauben

  6. #6
    Pflückliesel Avatar von Keks3006
    Registriert seit: 25.01.2012
    Ort: Sauerland
    Beiträge: 5.527

    Standard

    Anders als wir Menschen leben Kaninchen im Hier und Jetzt. Sie machen keine Pläne und haben keine "Bucket List", für die es wertvoll wäre, noch ein paar Tage oder Wochen zu leben. Sie wissen nur, dass sie jetzt Schmerzen haben und sich nicht gut fühlen. Sie wissen auch nicht, dass es ihnen irgendwann wieder besser gehen könnte. Wo Menschen eine monatelange Behandlung in Kauf nehmen, weil sie die Hoffnung haben, dass es danach besser wird, wissen Kaninchen nur, dass es ihnen jetzt schlecht geht. Du kannst also nicht nach menschlichen Maßstäben beurteilen, ob es zu früh war oder man dem Tier noch irgendwas schuldig gewesen wäre. Es hat darauf eine ganz andere Sicht und kein Jeder-Tag-ist-wertvoll-Denken. Für ein Kaninchen wird es keinen Unterschied machen, ob es vielleicht noch ein oder zwei Wochen länger am Leben gehalten wird.

    Und so, wie du seinen Zustand schilderst, denke ich auch nicht, dass er einige Tage später eine schwere OP überstanden hätte.


  7. #7
    kaninchenmamas
    Gast

    Standard

    Ich möchte euch herzlich danken und ich bin irgendwie trotzdem ganz froh, dass niemand geschrieben hat: Hättest du die O.P noch versucht.
    Gerade weil die Tierklinik das noch auf dem Plan hatte und ich mich dagegen entschieden habe und die 2. Meinung eingeholt habe, ist dieses schlechte Gewissen stark geworden.

    Wie meine Vorrednerin schon geschrieben hat, habt ihr wohl Recht. Kaninchen denken nicht in unseren Dimensionen. Sie haben jetzt Schmerzen und selbst wenn es irgendwann wieder geworden wäre, ist eben fraglich, ob das für das Tier noch eine Lebensqualität gewesen wäre. Zumindest für lange Zeit.

    Ich hätte mir gewünscht, dass die TK da mehr Transparenz zeigt und mir nicht falsche Hoffnungen weckt.
    Sie erzählten von einem Meerschwein, dessen Wunde erst nach 2 Jahren zu war oder auch von Kaninchen, die 3 Mal zusätzlich operiert werden mussten.
    Sicher gibt es das, aber ich habe mir die Frage gestellt, für welchen Preis? Muss man einem Tier solche Qualen zumuten?
    Für mich hat das wie gesagt etwas von Laborexperimenten. Wir schauen, wie lange es geht oder auch nicht.
    Das ist für mich nicht mehr Tierliebe gewesen. Besonders, weil er ja noch andere Baustellen hatte, von denen sie wussten.

    Diese Schilderungen von 2 Jahren oder auch von 3 Operationen hat für mich etwas von einem egoistischen Wunsch, das Tier auf Teufel komm raus am Leben zu erhalten, weil ich es besitzen will, wie eine Ware.
    Und das hat unser Kaninchen nicht verdient, diese langen Schmerzen auf sich zu nehmen.

    Es ist ein schwieriges Thema.
    Und so mies ich mich auch von der TK behandelt fühle, ich bewundere unseren Tierarzt im Nachbardorft dafür. Vermutlich haben sie deshalb auch mit die höchsten Suizidraten (Tierärzte allgemein).
    Denn jeden Tag trauernde Menschen zu sehen und zu solchen Entscheidungen zu gelangen in Absprache halte ich nicht für einfach.

    Mir persönlich ist ein Tierarzt, der mit mir Tacheles redet im nachhinein lieber als jemand, der die rosa Brille auf hat und ständig weiter macht, dabei aber nicht mehr das Tier vor sich sieht.
    Geändert von kaninchenmamas (07.03.2020 um 11:13 Uhr)

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