Alfy, süßer bezaubernder Alfy, jetzt bist du auch ein Sternchen. Danke, dass du unser Leben bereichert hast ♡ machs gut süßer Schatz.
Der ans Herz gehende Text seiner Mama:
„Alfy mein Schatz, es ist Zeit“, sage ich.
“Ich weiß“, sagt Alfy.
„Mami“, sagt er und versucht mit seinen halb geöffneten Augen noch verschmitz zu gucken. Immer wieder scannen sie zur Seite weg, aber er fängt sie wieder ein.
“Mami, Du hast immer geglaubt ich bin Super(hasi)man, oder?“
„Ja Alfy“. Ich lache und streiche ihm über den schwachen Kopf.
„Wer so tapfer mit so vielen körperlichen Beeinträchtigungen kämpft, mit den blöden Keimen, mit dem schwächer werdenden Herzen, mit den Zahn- und Kopfschmerzen –
und wer dabei so unglaublich fröhlich ist, so neugierig immer wieder neu die Welt entdeckt –
wer in alles und jeden erst einmal tiefstes Vertrauen hat und das Wort Angst nicht kennt –
wer sollte das sein, außer Superman?“
Mir laufen zwei Tränen über die Wangen.
„Psst, Mami…“, ich beuge mich nah an Alfy's wuscheligen Kopf und spüre die weichen Haare an meiner Nase,
„ich BIN doch Superman!“
„Aber weißt Du, als Superman kämpft man eigentlich gar nicht gegen das Alter oder die Krankheiten. Man kämpft für die Liebe und dafür, dass die Menschen und Tiere, die um Dich herum sind, fröhlich und glücklich sind. Dass sie wissen, sie werden geliebt, von ganzem Herzen. Man kämpft dafür, das Positive in allem zu sehen, optimistisch zu bleiben, auch wenn es manchmal hart scheint! Die kleinen wundervollen Dinge dieser Welt zu sehen und sich richtig darüber zu freuen. Wie über Erbsenflocken zum Beispiel oder eine tolle neue Höhle!
Man kämpft auch dafür, nicht aufzugeben wenn es sich lohnt und loszulassen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“
Mir sitzt ein Kloß im Hals. Alfy hat – wie immer- Recht.
(Ich erinnere mich, wie Alfy den Zahnschleifer mit den Zähnen festhält oder meine Hand bei der Medikamentengabe zur Seite schiebt. Auch ein bisschen Dickkopf gehört wohl zum Superman-Dasein

) Aber im Moment empfinde ich das Schicksal einfach nur als Verräter, dass seine kleine großartige Seele in einem so kranken und schwachen Körper wohnen muss. Daran kann ich nichts positives finden....
„Ach Mami“, sagt Alfy „ich kann doch hören was Du denkst! Dazu muss man nicht mal Superman sein – wir Tiere können das alle! Wir hören nicht die Wörter, die ihr Menschen denkt, aber wie hören den Sinn. Sinn ist wichtig“,
Alfy guckt mich belehrend an.
„Jedenfalls machst Du da einen Denkfehler“, wenn Alfy seine Pfote noch heben könnte und einen Zeigefinger hätte, würde er mir damit wohl tadelnd vor der Nase herumwedeln.
„Du bist ärgerlich, weil meine Seele in einem so kranken Körper wohnen muss. Deshalb wünschst Du Dir, mein Körper wäre wieder heil, damit sie darin ein besseres Zuhause findet. Aber genauso gut könnte meine Seele doch einfach in ein neues Abenteuer gehen und meinen kranken Körper zurücklassen.
Ich hatte viel Freude mit ihm, ich konnte springen, ich konnte an meiner liebsten Fine kuscheln, ich konnte leckere Sachen essen. Aber nun ist unsere gemeinsame Zeit um. Diese Beziehung zwischen unserem Selbst und unserem Körper ist von Anfang an nur auf Zeit ausgelegt. Wie viel Zeit ist ganz unterschiedlich und hängt natürlich auch davon ab, wie gut wir uns um unseren Körper kümmern“. Alfy zeigt mit seinem Köpfchen auf den Wohnzimmertisch, auf dem mein nicht aufgegessenes Frühstück steht.
„Wie kann ein kleines Kaninchen bloß so weise sein“.
Ich muss jetzt auch lächeln, was Alfy natürlich dazu veranlasst, noch einen oben drauf zu setzen:
„Weise sein hat doch nix mit der Größe zu tun! Es hat mit Erfahrung zu tun, damit, die Welt zu beobachten und auch damit, andere zu verstehen und zu lieben!“
Bei Alfys Worten laufen meine Tränen nun ohne Halt.
Alfy, der kleine Besserwisser sagt:
„Schmerz gehört auch dazu Mami…..“
Vielleicht weint er jetzt auch ein bisschen.
„Guck’ Dir mal an, wie ich hier liegen muss. So macht das mit meinem Körper keinen Sinn und auch keinen Spaß mehr! Mein Körper braucht Schlaf, aber ich, ich habe noch so viel vor, es ist besser, wenn wir jetzt getrennte Wege gehen.
Ich bin Superman, es ist Zeit zu fliegen!“
„Jeder Wunsch, den Superman hat, ist mir natürlich Befehl. Ich werde Dir Dein Superman-Cape holen, damit Du fliegen kannst!“
Ich drücke Alfy an mein schlagendes Herz.
Ich setze ihn zu Fine, sie sitzt ganz still.
Fine sagt nichts, aber ich weiß,
dass sie möchte, dass wir still sind.
Fine kann Alfy nämlich sehen
Alfy Superman, nicht Alfys Körper!
Ich sehe, wie sie ihm nachschaut und dabei gibt sie ihm Liebe mit und Mut und Zuversicht.
Mein Herz schlägt weiter und ihres auch.
Zwischen zwei Schlägen ist die Welt plötzlich
eine ganz andere geworden.
Einer ist nicht mehr hier.
Einer ist jetzt woanders!
Alfy
*1. Juli 2006
+17. August 2017
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