Die Tour war lange im voraus geplant und somit waren auch alle Hotels vorher gebucht.
Büddenstedt - Magdeburg - Wolmirstedt - Tangermünde - Havelberg - Rühstedt - Wittenberge und von dort mit dem Zug zurück.

Die fett gedruckten Orte waren die Übernachtungsorte. Ich hab mich schon Monate vorher auf die Tour gefreut und eigentlich konnte nur eine Unwetterwarnung das verlängerte Wochenende (Freitag bis Montag) "versauen". Aaaaaaaaber es kam ganz anders.

Denn die Bahn bot ja ab 01.06. das 9 EUR Ticket an. Und da ich den Zug kurzfristig buchen wollte (wegen Unwetter und so) schaute ich im Vorfeld mal auf die Zügverbindungen. Und quasi täglich schrumpfte die Zahl der Züge die einen Fahrradplatz anboten. Verdammte Hacke. Irgendwann war es mir dann echt zu gefährlich auf dem Wittenberger Bahnhof zu stehen und von dort nicht mehr weg zu kommen. Also kurzfristige Umplanung auf Rundtour. Jetzt hieß es Büddenstedt - Magdeburg - Wolmirstedt - Tangermünde - Gardelegen - Büddenstedt. Alles in allem ca. 280 KM. Von der Länge ziemlich identisch mit der Ursprungsroute. Jetzt blieb noch das olle Wetter. Aaaaaaaber warum soll man nicht auch mal (halbwegs) Glück haben. Für Freitag waren ungefähr 28 Grad, für Samstag 34 Grad, für Sonntag wieder 28 Grad und für Montag 20 Grad und Regen angesagt. Aber Regen ist wurscht, entsprechende Kleindung habe ich und auch meine Taschen haben Überzüge zum Regenschutz. Es konnte also losgehen....

Freitag früh um 8.00 Uhr war alles gepackt und das Fahrrad präpariert.



Die erste Etappe hatte lt. Navi ungefähr 74 KM, also here we go. Der erste Stopp nach ungefähr 200m....ich hatte vergessen mich mit Sonnenöl einzusprühen. *räusper* Aber ab da flutschte es dann.... na ja, zumindest, bis mich Sachsen-Anhalt auf die ganz besondere Art und Weise begrüßte.



Liebe Entscheidungsträger, bitte sorgt dafür, dass solche Kukident Teststrecken verschwinden. Wenn Du da als Radfahrer lang fahren musst, ist das die Hölle. Wir schreiben 2022 und da sollten solche Bilder eigentlich der Vergangenheit angehören. Also frisch durchgeschüttelt ging es weiter und weiter. Landschaftlich ist das wirklich toll in Sachsen-Anhalt.



Irgendwann ging es ziemlich steil bergan und ich freute mich schon auf den Weg bergab. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt bzw. ohne den alten Kolonnenweg gemacht. Jede Platte hatte einen mehr oder weniger großen Absatz (was man auf dem Bilds so nicht sieht) und so wurde Rad und Radfahrer erneut durchgeschüttelt und von der strammen Bergabfahrt war nur ein laues Schleichen über. Mist!



Aber irgendwann hatte auch diese Schleichfahrt ein Ende und Sachsen-Anhalt zeigte mir seine ganze Weite. Was hier nicht so recht rüber kommt: es war eine Berg- und Talfahrt erster Güte. Trotzdem hat der Streckenabschnitt hier wahnsinnig viel Spaß gemacht.





Als ich dann 20 Km hinter mir hatte wurde es Zeit für ein etwas längeres Päusken. Zum einen weil ich Durst bekam, aber auch weil die Sonne langsam höher stand (es war 9:30 Uhr) und es immer wärmer wurde. Also Zeit zum nachcremen und trinken. Und da war die Bahnunterführung wie geschaffen.





Wenn ich allerdings diese Schmierereien an den Bahnhöfen sehe, könnte ich jedesmal Irgendwann ging es dann frisch gestärkt weiter. Und war ich vorher noch froh über die schönen langen Strecken abseits der Straßen kam jetzt eine ziemlich lange Strecke auf einer Landstraße. Nicht nur, dass man da viele Kilometer in der prallen Sonne fährt, auch die Raserei und die rücksichtslose (teils gefährliche) Überholerei ist übel.



Als ich dann endlich wieder auf einen Feldweg einbiegen konnte, war ich anfangs entsetzt, wieder so ein blöder Plattenweg mit Durchschüttelgarantie... aber ich wurde eines besseren belehrt. Dieser Weg ließ sich wirklich ganz hervorragend befahren. Die Übergänge zwischen den Platten waren gerade und so konnte ich gut dahin gleiten. Nur der Mangel an Bäumen war blöd, denn so langsam merkte ich die Sonne ziemlich heftig. Wobei ich hier die Sonne vom nächsten Tag noch nicht auf dem Schirm hatte.





Man glaubt echt nicht, wie weitläufig Sachsen-Anhalt hier ist. Da guckst Du die Straße entlang und siehst keine Ende.



Dann kam ich an einer ehemaligen Mistplatte (Lager) einer DDR LPG vorbei und da ich die Dinger immer schon mal aus der Nähe sehen wollte bin ich mal abgestiegen und habe mir das Teil mal aus der Nähe angeguckt. Aber typisch Mensch, wo früher Mist oder Sauerblatt eingelgert wurde, lagen jetzt Müll und Autoreifen.







Die Fahrerei in der Hitze forderte irgendwann ihren Tribut und so suchte ich mir gegen 10:30 Uhr ein schattiges Plätzchen, wo ich nun ein längeres Päuschen einlegen konnte.



Hier gabs dann auch Mittagessen.





Aber ein Blick auf die Schonung gegenüber ließ mein Herz höher schlagen.





Die müssen menschliche Nähe gewohnt sein, denn sonst wären die beiden längst über alle Berge gewesen. Die sind dann auch irgendwann langsam davon geschlichen und haben sich in der Weite der Schonung versteckt. Was ich aber total widerlich fand: Warum gibt es Menschen, die sowas in die Schonung werfen? Da haben irgendwelche Idioten ihren (Essens)Abfall entsorgt. Wildtiere wissen ja auch ganz genau, wie man eine Wurst aus der Pelle holt. Leider lag das zu weit weg, als das ich da ran langen konnte.



Irgendwann dann ging es weiter. Und was soll ich sagen: Da waren sie wieder: die unendlichen Weiten von Sachsen-Anhalt.



Aber als die Uhr Richtung Mittag ging, querte ich die A14. Diese geht ab Magdeburg Richtung Süden nach Halle / Leipzig und dann Richtung Dresden. Hier lagen dann 40km hinter mir und noch ca. 35 vor mir.



Und von hier aus war auch schon der Dom zu Magdeburg zu sehen.



Der Weg durch Magdeburg bis hin zur Elbe konnte ich zu großen Teilen auf einer Fahrradstraße fahren. Die Straße ist breit genug für ein Auto, aber Fahrradfahrer haben dort Vorrang. Ich bin dann zweimal -als ein Auto hinter mir hergefahren ist- nach rechts ausgeschert und habe trotz Vorrang angehalten, um das Auto vorzulassen. Und zweimal sind die an mir vorbei gefahren, ohne auch nur im gerinsgsten Anstalten zu machen sich zu bedanken. Ok, ab da sind dann eben alle hinter mir hergeschlichen. Keine Ahnung, ob ich das zu eng sehe, aber kann man sich nciht wenigstens mal kurz bedanken oder ist das heute uncool? Ich kenne ûnd handle jedenfalls noch nach dem guten alten Slogan aus den 70ern:



Später dann landete ich in der Innenstadt an der Johanneskirche. Diese ist zwar nicht so groß und gewatig wie der Dom, aber trotzdem allemal sehenswert.



Nach nunmehr knapp 50 Km fühlte ich mich wie die Statue vor der Kirche!



Nach einer weiteren Banane ging es dann weiter und jetzt kam der Streckenabschnitt, weswegen ich die Tour haupotsächlich geplant hatte: der Elberadweg. Es ging über mehrere große und kleine Brücken....





bis ich schließlich in den Elbauen ankam. Plötzlich war die Hitze nicht mehr so schlimm, so angenehem war das fahren hier. Einfach eine wunderschöne Landschaft und die Elbe immer an der Seite.





Am Ende der Elbauen dann kam das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Hier kreuzen sich die Elbe und der Elbe-Havel Kanal. Besser gesagt, der Elbe-Havel Kanal wird mit einer Brücke über die Elbe geleitet. Irgendwie fazinierend, dass Millionen m3 Wasser mit ener Brücke über einen Fluß geleitet werden. Unten die Elbe...



...und oben drüberweg der Elbe-Havel Kanal.





Nun aber ging es mit Riesenschritten auf das Ziel des 1. Tages zu: Wolmirstedt. Der letzte kleinere Ort vorher...



... über einen ewig langen und einsamen Radweg



kam ich schließlich in Wolmitstedt an. Die Vorfreude auf das Hotelzimmer und die Möglichkeit die Beine hochlegen zu können stieg. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt bzw. ohne die deutsche Bahn gemacht. Denn nur ein paar hundert Meter vor dem Hotel befand sich ein beschrankter Bahnübergang und genau hier waren die Schranken geschlossen.



Na ja, egal. Beine durchstrecken und warten, dass der Zug kommt. Ok, ist ja ziemlich heiß hier in der prallen Sonne am Bahnübergang, vielleicht doch mal den Helm abnehmen. Blöd, der Zug kommt immer noch nicht. Na ja, steige ich halt mal vom Fahrrad ab. Boa, wat ne Hitze hier ohne Schatten. Die meisten Autos haben den Motos noch an. Was würde ich jetzt für ne Klimaanlage geben. Dann erklingt das typische Geräusch, wenn sich ein Zug nähert. Also wieder rauf aufs Rad und Helm wieder auf, Tacho wieder an machen und warten bis der Zug durch ist. Es ist ein kleiner Regionalzug, der ruckzuck durch ist. Pedal hoch und Fuß startbereit drauf.... Na nu??? Klemmen die Schranken bei der Hitze? Hallo??? Bis mir dann klar wird: das ist ein zweispuriger Übergang... Da kommt noch ein Zug... Das was ich hier versuche so lustig wie möglich rüber zu brigen, war tatsächlich der schlimmste Moment am ersten Tag. Irgenwie gingen da fast 15 Minuten ins Land bis sich die Schranken öffneten. Und so lange stand ich in der prallen Sonne, weil weit und breit kein Baum war. Umso größer die Erleichterung als die Schranken sich dann öffneten und es dann Richtung Hotel ging. Dort kam ich dann nach 74 Km



und einer ungefähren Fahrzeit von 6 Stunden an. Und vom Akku war noch alle 5 Balken zu sehen. D.h. ich bin ungefähr 60 km ohne Motor gefahren. Ja, der Poppes schmerzte schon ein wenig, aber alles im Rahmen. Dank regelmäßigen nachcremen waren Arme und Gesicht zwar mit guter Farbe versehen, aber nicht verbrannt. Mein Hotel, der Wolmirstedter Hof, war klein aber sauber



und mein Fahrrad bekam über Nacht eine extra Garage spendiert. Und da in Wolmirstedt zufälligerweise auch nch Stadtfest war, belohnte ich mich nach einer ausgiebigen Dusche mit diesem tollen Getränk...



Hier endet Tag 1 der 4-Tages Radtour, denn nach einem Bauernteller als Abendessen beim Griechen sank ich dann zufrieden, aber doch reichlich erschöpft, ins Bett. Hier nochmal ene Übersicht der Strecke:



PS: keine Ahnung, ob es jemanden interessiert, wie die Tour weitergeht. Ich ende erstmal nach Tag 1.